Koabhängigkeit

Manchmal finden wir uns in Beziehungungen wieder, die uns belasten, uns einschränken oder unsere Zufriedenheit negativ beeinflussen. Wir fühlen uns vom Partner nicht abgeholt; die Beziehung erfüllt unsere Bedürfnisse nicht oder nur teilweise. Ein Schlüssel um dem Kernproblem auf den Grund zu gehen, ist die Koabhängigkeit. Ich habe sie schon oft beobachtet und selber stark gelebt. Ein persönliches Thema, welches ich gerne mit Dir teile.

Für manche ist das Wort Koabhängigkeit ein bekannter Begriff, für viele etwas Neues. In meiner Definition bedeutet die Koabhängigkeit, wenn wir die Verantwortung von Emotionen, Bedürfnissen und Befindlichkeiten anderer übernehmen. Wir fühlen uns als emotionaler Parameter unseres Gegenübers, fühlen uns für dessen Wohlbefinden verpflichtet. So wiederholen wir Verhaltensweisen und Handlungen, welche nicht unseren Bedürfnissen entsprechen. Durch dieses wiederholte Muster vernachlässigen wir unssere eigenen Bedürfnisse kontinuierlich mental, geistig und körperlich.

Dies verbinde ich nicht nicht nur mit dem (Liebes-) Partner. Eine Koabhängigkeit tritt in jeder Art von Beziehungen, auch in Freundschaften oder der Familie auf. Der Einfachheit halber wird im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich eingeschlossen.

Ich bin nur für meine emotionale Lage und deren klaren Kommunikation verantwortlich // Affirmation*

Wir kommen als Neugeborenes in völliger Abhängigkeit auf diese Welt; unfähig unsere physischen oder emotionalen Bedürfnisse selbst zu stillen. Wir brauchen unsere Bezugspersonen und adaptieren uns schnell an das gegebene Umfeld. Unsere Bezugspersonen kümmern sich um unsere Bedürfnisse und sind gleichzeitig unsere Rollenmodelle, inwiefern sie sich um eigene Bedürfnisse kümmern. Sie sind ein Vorbild in jeglicher Hinsicht; Verhaltensmuster, Reaktionsweisen, Umgang mit Mitmenschen, mit Freude oder Leid, … You name it, nenne es, wie Du willst. Was unsere Bezugspersonen vorleben, leben wir nach. Sie lehren uns, wie man sich in dieser Welt verhält.

Wir beobachten unsere Bezugspersonen und achten darauf, wie sie ihre emotionalen, geistigen und physischen Bedürfnisse befriedigen oder vernachlässigen. Diese Muster nehmen wir in unserer Entwicklung bis ins Erwachsenenalter mit.

Wie sich die Koabhängigkeit äussern kann, wenn wir Erwachsen sind:

  • Eigene Bedürfnisse zurückstellen
  • Starkes Bedürfnis anderen helfen zu wollen
  • Versuch jemanden zu retten, zu ändern (verbessern) oder zu kontrollieren
  • Starker Fokus auf das Leben und Verhalten anderer
  • Fehlen von selbst gesetzten Grenzen
  • Verlustängste
  • Probleme mit dem Selbstwert (brauche Bestätigung von Aussen)

Wie auch wir selbst haben unsere Eltern oder Bezugspersonen in der Kindheit stets die Möglichkeit für sich selbst zu entscheiden. Sie sind der Kapitän ihres Bootes. Stattdessen beobachten wir, dass manche Entscheidungen nicht nach ihrem Segelplan verlaufen – oder dass ein Plan nicht in Sichtweite ist. Oft kümmern sich Menschen dabei stark auf das Verhalten anderer; ihr Leben dreht sich um das Leben eines anderen. Dabei spreche ich nicht von einer Mutter, die sich um ihr Kind und ihr Leben nach dem Kind richtet; gewisse Kompromisse sind in der Familie unabdingbar. Dennoch sollte sich die Mutter stets auch um sich kümmern und ihre Bedürfnisse äussern, damit gemeinsam für eine Lösung gesorgt werden kann. Es geht auch nicht darum, dass wir öfters unsere Gedanken und Fürsorge einer Person widmen, die gerade in einer schwierigen Situation steckt. Es geht um die permanente Beschäftigung im Aussen; wir sorgen uns stets und wohlwollend um die Menschen um uns herum. Wir schmieden ihre Pläne, bücken uns über ihre Probleme und Sorgen, tragen deren Konflikte mit aus oder teilen ihr Glück. Dafür ernten wir im Normalfall Dank, Zuneigung und Wertschätzung. Dadurch fühlen wir uns besser; wir fühlen uns gebraucht und gestärkt in unserem Verhalten. Wir fühlen uns angenommen, geliebt und wertgeschätzt. Wir holen dieses schöne, warme Gefühl von Aussen. Wie Menschen auf unser Verhalten reagieren, reflektiert sich auf unser Wohlbefinden. Alles, was wir fühlen, ist von deren Reaktion auf uns abhängig. Das ist die Koabhängigkeit. Und diese ist gar nicht so selbstlos und wohlwollend, wie wir dachten. Sollte dich dieser Satz etwas in Dir auslösen; sehr gut. Du bist genau am richtigen Ort.

Ich kann erst ehrlich und aufrichtig für andere da sein, wenn ich für mich und meine Bedürfnisse einstehe //

Oft bemerken wir unser schädliches Verhalten nicht, denn wir fühlen uns gut dabei. Wir leben vom Glück und Drama anderer. Wir vergessen dabei aber unser eigenes Leben, haben die Zügel nicht in der Hand und langfristig belastet das alle Beziehungen, die sich in diesem Muster bewegen. Das Muster, ein konditioniertes Verhalten, leben wir meist unbewusst aus. Wie bereits erwähnt, weil wir es so gelernt haben und denken, dass wir nur so liebenswert sind. Die Wahrheit sieht aber anders aus. Oft bemerken wir nicht, dass wir es sind, die uns in diese Position drücken. Genau wie wir, verbringt auch das Gegenüber gerne Zeit mit uns. Unsere gut gemeinte Unterstützung ist oft erst gar nicht gefragt. Doch wir brauchen jemanden, der uns braucht. So sind wir schnell wieder in diesem Verhalten, diesem gut gemeinten Helfersyndrom. Frage Dich, warum Du helfen möchtest. Was ist die ehrliche Motivation dahinter. An dieser Stelle möchte ich sagen: Du kannst niemandem helfen, der nicht formuliert, wozu er Hilfe benötigt. Wenn Dich jemand wirklich um Hilfe bittet, folge dem Ruf nicht kopflos. Stelle Dich bewusst dieser Anfrage; kann ich helfen? Wo setze ich Grenzen, bis zu welchem Punkt kann ich helfen? Bin ich bereit dazu?

Ob Du nun konkret nach Hilfe gebeten wurdest oder nicht; ich empfehle Dir stets Raum für Dich zu lassen. Nutze Energie und Zeit weiter für Dich und Deinen Lebensplan und helfe ausschliesslich nur soviel, damit Du selbst nicht verloren gehst.

Ich muss gerettet werden

Oft geht die Koabhängigkeit in beide Richtungen; Jemand macht sich selbst von einer Person abhängig und bringt gleichzeitig diese Person in eine Abhängigkeit zu sich. Manchmal ist sie auch einseitig und mit dem tiefen Wunsch verbunden “gerettet zu werden”. Ob wir nun aber “gerettet” oder “gebraucht” werden möchten, kommt auf dasselbe Ergebnis: beide Verhaltensmuster münden in einer Koabhängigkeit.

Empfehlungen
  • Klar definieren, wie wir uns die Beziehung vorstellen
  • Aufschreiben, was wir uns gerade vom Leben wünschen
  • Affirmationen*
  • Grenzen setzen
  • Eigenwert, Selbstliebe stärken

Affirmationen

Eine Affirmation dient dazu unsere verinnerlichten Glaubenssätze umzuprogrammieren. Eine Affirmation soll mit Dir stimmig sein, Dir ein gutes Gefühl geben. Folglich kannst Du sie auch selbst formulieren. Anbei ein paar Beispiele zum Thema Koabhängigkeit:

  • Ich bin nur für meine emotionale Lage und deren klaren Kommunikation verantwortlich
  • So wie ich bin, bin ich gut
  • So wie ich bin, bin ich liebenswert
  • Ich bin genug für mich und ich genüge für die Welt

Hast Du eine passende Affirmation gefunden, schreibe sie auf und klebe, lege oder hänge den Satz da auf, wo Du ihn täglich mehrmals siehst. Beispielsweise am Badezimmerschrank. So kannst Du Deine Affirmation mindestens jeden Morgen für Dich aufsagen und verinnerlichen. So kreierst Du einen neuen Glaubenssatz, eine neue Realität.

Inspiration & Quellen

The holistic Psychologist: Nicole ist eine Inspiration zum Thema Koabhängigkeit und Selbstheilung. Ich kann Dir von Herzen empfehlen Ihre Videos, Blogs und Social Media Feeds zu verfolgen. www.yourholisticpsychologist.com/

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