Traumata aus der Kindheit, die unsere Beziehungen beeinflussen

In diesem Beitrag geht es um Traumata, welche wir aus der Kindheit mittragen und uns im Jetzt hindern, schöne Beziehungen zu führen. Wiederkehrende Probleme, Streit, Machtkampf, Verlustangst, Koabhängigkeit… Manchmal ist es wichtig, Probleme gemeinsam zu lösen, an der Beziehung, unseren Mustern und Ängsten zu arbeiten. In diesem Beitrag nenne ich 8 Gründe, wenn es Zeit ist, sie zu beenden. 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich und weiblich  verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermassen für alle Geschlechter.

Bereits im Kindesalter setzen wir Standards, wie die Beziehung zu anderen Menschen aussieht. Wir legen unsere Ansicht von Liebe und Bindung fest. Wir lernen durch Beobachtung unserer Bezugspersonen; wie sie ihre Konflikte lösen, sich um sich selbst kümmern, uns versorgen und unsere Bedürfnisse versorgen. Wir beobachten im Stillen und lernen, indem wir sie unbewusst kopieren. Wir lernen wie sie verschiedenste Formen von Beziehungen führen – zu sich selbst, zu Partnern, zu Freunden und Familie, zu uns.

Unser Leben wird von unserem Aufwachsen stark beeinflusst sein; ob unsere Bedürfnisse gestillt und wir auf allen Ebenen genährt wurden und ob wir uns sicher und gehört gefühlt haben. Aufgrund der Liebe und Zuneigung, die uns unsere Bezugspersonen gaben oder eben nicht geben konnten. 

Viele Menschen, die durch ein Trauma gegangen sind, finden sich selbst in wiederholten Beziehungsproblemen wieder, einem Zyklus von Schmerz, Grenzüberschreitung und Betrug. Sehr oft wird schlechtes Verhalten aufgrund unseres Aufwachsens als normal empfunden, da wir nie eine gesunde Basis von Beziehung erlebt haben. 

Wurzelarbeit

Probleme im Kern erkennen und lösen. 

Für jedes Mädchen ist der Vater die erste grosse Liebe. Für jeden Jungen ist die Mutter die erste grosse Liebe.

In der Kindheit Erlebtes, das zu einem Trauma führen kann

  • Du wurdest von den Eltern oder Bezugspersonen verlassen
  • Deine Grundbedürfnisse wurden nicht gestillt (Nahrung, Liebe, Sicherheit)
  • Mindestens ein Elternteil wurde in Konflikten grenzüberschreitend
  • Nach Konflikten wurdest du tagelang ignoriert oder übermässig bestraft
  • Mindestens ein Elternteil hat dich verbal, physisch oder emotional missbraucht
  • Deine Grenzen wurden regelmässig bedroht und überschritten
  • Mindestens ein Elternteil war süchtig
  • Du hast mindestens einen Elternteil regelmässig mit Lug und Betrug davonkommen sehen
  • Mindestens ein Elternteil hatte Depressionen, Angstzustände, Wutprobleme,…
  • Mindestens ein Elternteil war oft krank oder starb, als du jung warst
  • Du wurdest nicht gehört, gesehen oder respektiert
  • Du wurdest gemobbt und kleingehalten

Wir sind weitaus mehr gefährdet, schlechtes Verhalten in Beziehungen als normal wahrzunehmen, wenn wir keine Rollenmodelle für gesunde Beziehungen hatten oder Menschen, die Nein sagen konnten und sich um ihre eigenen Bedürfnisse kümmerten.

We learn to love ourselves precisely because we have experienced being loved by someone. We learn to take care of ourselves because somebody has taken care of us. Our self-worth and self-esteem also develop because of other people. – Stan Tatkin, Wired for Love

Wenn uns das Kindheitstrauma bis in die “Erwachsene” Beziehung verfolgt

Traumata beeinflussen unsere Beziehungen und unsere Verhaltensmuster. Traumata beeinflussen ebenso mit wem wir in einer Beziehung sind. Die erste grosse Liebe jedes Mädchens ist der Vater, die erste grosse Liebe jedes Jungen, die Mutter. Der Umgang mit der Tochter oder dem Sohn steckt Charakterzüge des Partners, das sich ein/e erwachsen gewordene/r Frau/Mann aussucht.

  • Du hast einen tiefen Selbstwert und bleibst lange in Beziehungen, obwohl dir diese längst nicht mehr gut tun
  • Du hast kaum Hoffnung, einen für dich guten, ebenbürtigen Partner zu finden oder empfindest dich nicht als liebenswürdig
  • Du gibst dich mit Unbeständigkeit, Kontroll- und Eifersuchtswahn sowie Unehrlichkeit zufrieden
  • Du gibst jemandem die Möglichkeit, dich mehrmals mit der gleichen Tat zu verletzen oder deine Grenzen zu überschreiten
  • Du zweifelst eher an dir selbst, als die Situation klar zu sehen
  • Du denkst, dass du die Schuld trägst, wenn sich dein Partner schlecht verhält und denkst, dass es besser wird, wenn du dich änderst und besserst
  • Unnahbare, desinteressierte Personen empfindest du als eine Herausforderung, dass sie dich lieben lernen (wenn du dir nur genug Mühe gibst), du möchtest “die Nuss knacken”
  • Du siehst es als Aufgabe, deinen Partner zu heilen, ihn zu ändern oder zu helfen, auch wenn das bedeutet, über deine eigenen Grenzen zu gehen

When people treat us badly, that is a reflection of their low self-worth. When we continue to allow their behavior, that is a reflection of ours. – Sheleana Aiyana

8 Gründe, wenn es Zeit ist, die Beziehung zu verlassen

(Inspired by Rising Woman)

1 Unerwünschte negative Verhaltensweisen, Lügen sowie Betrug wiederholen sich ständig

Wenn wir aus einem ungelösten Trauma heraus handeln, ist es möglich, dass wir die eine oder andere Chance zuviel geben oder gar nicht erst für uns einstehen. Für die einen Paare besteht die Möglichkeit aus diesem Vertrauensbruch gemeinsam zu lernen und herauszuwachsen. Dafür muss die Person, welche das Vertrauen gebrochen hat, volle Verantwortung für die Tat übernehmen. Sie muss bereit sein, unsere Verletzung hinzunehmen. Beide Partner müssen Energie und Zeit in die Arbeit mit sich selbst, die innere Selbstheilung, investieren. Bei wiederholten Taten ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand ändern kann oder möchte, klein. Das kann am Willen liegen, aber genau so an eigenen Traumata, an psychischen Krankheiten oder Sucht. Deswegen ist das negative Verhalten aber nicht in Ordnung. Auch dürfen wir – selbst bei Mitleid – nicht zulassen, dass andere wiederholt über unsere Grenzen gehen.

2  Selbstzweifel, obwohl wir genau wissen, dass etwas nicht in Ordnung ist

In einer chaotischen oder emotional instabilen Umgebung zu leben, kann die Selbstwahrnehmung vernebeln. Wenn es dir schwer fällt zu wissen, was du fühlst, oder du an dir selbst zweifelst, selbst wenn dein Bauch dir sagt, dass etwas nicht stimmt – vertraue darauf. Eine Beziehung, die dazu führt, dass du ständig Angst, Knoten im Magen oder Unsicherheit und Ungewissheit verspürst, ist keine selbstliebende Wahl. Paare, die vereint sind, können ihre Gefühle anerkennen und sich um das Herz des anderen kümmern.

3  Leere Versprechen, das Verhalten zu ändern

Leere Versprechungen, verletzendes Verhalten zu ändern, gefolgt von überhaupt keiner Änderung, sind emotionale Manipulation. Es gibt wirklich keine andere Möglichkeit, es zu benennen. Auch ist es nicht nötig, Ausreden für den Partner zu erfinden oder die Handlungen zu rechtfertigen. So wird der Kreislauf von Enttäuschung und verletzten Gefühlen nur fortgesetzt. Manchmal stecken Menschen zu tief in ihrem eigenen Trauma, um etwas zu ändern, manchmal sind sie einer Sucht verfallen oder haben mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen, und manchmal sind sie all diese Dinge – und dies ist traurig. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, sie zu retten.

4  Du versteckst die Wahrheit vor Freunden und Familie

Wenn wir die Realität unserer Beziehung vor den Menschen verbergen, die sich um uns kümmern, ist das die offensichtlichste rote Fahne, die es gibt. Es bedeutet, dass wir tief im Inneren wissen, dass etwas nicht stimmt. Wenn unsere Lieben wüssten, was wir uns gefallen lassen, würden sie uns auf das Offensichtliche hinweisen, oder wir glauben gar, verurteilt zu werden. Wenn wir nicht ehrlich zu ihnen und vor allem zu uns sind, gibt es wahrscheinlich immer noch einen Teil von uns, der an dem festhält, was wehtut. Es ist Zeit loszulassen und den selbstliebenden Weg zu gehen.

5  Der Partner sagt, dass er Dich nicht mehr liebt oder dich nicht mehr anziehend findet

Es kann nicht viel klarer werden als jemand, der sagt, dass er nicht mehr verliebt ist oder sich nicht mehr angezogen fühlt. Aber irgendwie suchen wir vielleicht nach Möglichkeiten, das so zu drehen, wie wir die Worte gerade noch aushalten, noch etwas länger in der Hoffnung dieser verzerrten Realität durchhalten können. Vielleicht „lieben sie dich, sind aber nicht in dich verliebt“, und das ist wahrscheinlich ein Gefühl, das viele von uns irgendwann in ihrem Leben hatten. Es ist aber nicht das Gefühl, das du mit deinem Intimpartner haben möchtest. 

Wenn Du in dieser Situation bist, fühlen dich bitte nicht beschämt oder schuldig – das bedeutet nur, dass ein Teil von dir sich zutiefst nach Bestätigung und Liebe sehnt, und das ist das menschlichste Bedürfnis von allen. Wir alle wollen Liebe und Verbindung, aber du wirst sie nicht von jemandem finden, der dir offen sagt, dass er nicht (mehr) auf dich steht.

6  Du wirst als verrückt bezeichnet und geghostet

Was passiert, wenn du dich wegen einer Grenzverletzung aufregst? Könnt ihr euch beide darüber unterhalten, was passiert ist? Kannst du äussern, was dir schmerzt, was dich stört? Ist dein Partner bereit, daran zu arbeiten? Oder dreht er alles so lange, bis du verwirrt und nicht mehr sicher bist, was genau passiert ist? Wirst du als verrückt abgestempelt, als emotional oder sensibel?

Es braucht bei beiden viel Arbeit, aus diesen Verhaltensmuster rauszukommen. Falls du in dieser Situation bist, beobachte genau ob dein Partner dazu bereit ist und unterstütze ihn, ohne über deine Grenzen zu gehen. Wenn die Bereitschaft nicht vorhanden ist, ist es Zeit zu gehen und weiter an dir zu arbeiten. Denk daran, nur weil wir die Beziehung verlassen, können wir durchaus nach wie vor in unseren Mustern stecken und einen neuen, ähnlichen Partner anziehen. Bis wir es eben gelernt haben.

7  Dein Gegenüber sagt, dass er nicht an Beziehungskonzepte glaubt oder gerade keine Beziehung möchte

Glaube ihnen. Wenn sie dir sagen, dass sie „nicht an Bindung glauben oder keine Bindung möchten“. Sie meinen es ernst. Dies ist keine Einladung, sich mehr anzustrengen. Es ist auch kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch gemacht hast, nicht gut genug bist oder einfach nur um ihre Liebe kämpfen musst – es ist ein Deal-Breaker. Es bedeutet, dass sie nicht wollen, was du möchtest und auch Du kannst ihre Meinung nicht ändern. 

Es ist schwer, abgelehnt zu werden. Das kann sich wie der schlimmste Schmerz der Welt anfühlen, aber ist ganz einfach Realität. Eine selbstliebende Zukunft erfordert, dass du für das einstehst, was du wirklich willst und auch bereit bist, loszulassen.

8  Du versuchst deinen Partner zu heilen oder zu retten

Wenn wir in der Kindheit die Fürsorge-Rolle für einen Elternteil spielten oder zu schnell erwachsen werden mussten, können wir uns vorstellen, dass es an uns liegt, die Lasten und Verantwortungen anderer zu tragen. Ist es nicht. Wenn deine ganze Energie darauf verwendet wird, jemanden zu retten, zu reparieren oder zu pflegen, der nicht seine eigene Arbeit macht, tust du das Gegenteil davon, ihm zu helfen. Auch wenn dein Herz am rechten Fleck sein mag, der einzige Weg für eine Person, sich wirklich zu ändern, ist, es aus eigenem Willen zu wählen. Indem wir ungebeten helfen, nehmen wir unserem Partner gar die Möglichkeit, zu lernen und zu heilen. Sie haben ihren eigenen Lebensweg, und du kannst die Bereitschaft nicht erzwingen. Wenn, dann kannst du eine unterstützende Funktion übernehmen, indem du beispielsweise Therapiemethoden vorschlägst und eine Routine in den Alltag bringst. Alles andere liegt nicht in deiner Hand. 

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Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – das Muster liegt in der Familie

Den Kreislauf des Generationentraumas zu durchbrechen ist schwierig, aber möglich. Mit Wurzelarbeit, Familienaufstellung oder anderen Methoden wurden Hilfsmittel geschaffen, die uns heute zur Verfügung stehen, um schöne Beziehungen zu führen. 

Was dir helfen kann

  • Aufhören, Ausreden für das Verhalten deines Partner zu finden
  • Etwas Abstand schaffen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Kommuniziere deinem Partner den Zeitraum, den du brauchst
  • Seidenweber für deinen Selbstwert
  • Dir selbst etwas Gutes tun, Raum zum Atmen schaffen
  • Eigene Muster anschauen und unerwünschte ggf. mit Unterstützung auflösen
  • Deine Erfahrungen oder Rollenbilder aus deiner Kindheit bezüglich Beziehung, Nähe und Fürsorge studieren
  • Tagebuch führen und Deine Gründe aufschreiben – vielleicht auch für später zum Nachlesen
  • Für unsere Bedürfnisse einstehen
  • Vielleicht ist es an der Zeit, loszulassen…

Loslassen hat mich befreit. – Naomi

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